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Premiere am Theater Trier: Die Sänger des Kinder- und Jugendchors singen und spielen Hans Krásas Werk "Brundibár".
 
Trier Das ist noch nie da gewesen am Theater Trier: eine Oper von Kindern für Kinder. Und auch die Darsteller sind noch neu: der Kinder- und Jugendchor. Knapp 15 Monate nach der ersten Probe, nach Auftritten in Opern wie "A Midsummer Night’s Dream" von Benjamin Britten und Engelbert Humperdincks "Hänsel und Gretel" und nach zwei Konzerten bringen 79 der jungen Sänger am Donnerstag, 29. Juni, um 11 Uhr ihre erste eigene Produktion auf die Bühne - erneut mit dem Philharmonischen Orchester der Stadt Trier und im großen Haus: "Brundibár", die erste Oper, in der alle Rollen für Kinder geschrieben und mit Kindern besetzt sind. 1938 von Hans Krása komponiert (Libretto: Adolf Hoffmeister), wird das Stück 1941 in einem jüdischen Kinderheim in Prag erstmals gezeigt. Viele Aufführungen gab es nicht, Krása wurde 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort schreibt er die Partitur nach einem Klavierauszug nach. Die Nazis missbrauchen das Werk zu Propagandazwecken. Die Darsteller: inhaftierte Kinder und Orchestermusiker. Viele der Mitwirkenden und auch Komponist Krása werden umgebracht. Die Oper überlebt über Umwege und wird um 2000 richtig bekannt. "So war es auch bei uns", sagt Carola Ehrt, die gemeinsam mit Chorleiter Martin Folz die jungen Sänger betreut. "Brundibár" ist Tschechisch für "Hummel" und bezeichnet einen unangenehmen Menschen. Im Stück ist es Brundibár, ein Straßenmusiker, der Kindern das Leben schwer macht. Denn die Geschwister Aninka und Pepíèek brauchen dringend Geld, um Milch für ihre kranke Mutter zu kaufen. Mit Hilfe von Katze(n), Hund(en) und Spatz(en) lassen sie sich etwas einfallen. "Die Oper beschäftigt sich damit, wie Mobbing funktioniert", sagt Regisseurin Heidi Sommer, die im Theater Trier im vergangenen Jahr "Hexe Hillary geht in die Oper" inszeniert hat. "Es gibt immer einen, der profitiert, und einen, der verliert." Und das könne durchaus wechseln. "Die Person Brundibár` ist nicht per se böse. Er lebt in Zwängen, die ihn haben so werden lassen. Er ist der Typ Kleingärtner, der die Höhe des Rasens misst." Um die vielschichtigen Persönlichkeiten der Protagonisten besser verdeutlichen zu können, hat Sommer sämtliche Rollen mehrfach besetzt. So gibt es vier Brundibárs und insgesamt neun Aninkas und Pepíèeks. Seit Februar studiert Folz mit den Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 20 Jahren die Gesangsstücke ein, seit 12. Mai laufen die szenischen Proben. Und noch etwas ist neu in Triers "Brundibár". Folz hat eigens für die Inszenierung das Gedicht "Dream" von Abraham Koplowicz, das die amerikanische Komponistin Diane Abdi Robertson in Musik verwandelt hat, für Chor und Orchester arrangiert.
Koplowicz erlebte die Gräuel der Nazizeit am eigenen Leib; er wurde mit 14 Jahren im KZ Auschwitz ermordet. Seine Lyrik ist jedoch die der Zuversicht. Die Schwierigkeit sei es gewesen, die Oper für die jungen Darsteller und die Zuschauer zugänglich zu machen, sagt Sommer. "Denn ich kann so ein Stück nicht eindimensional und niedlich inszenieren."
Weitere Termine: 29., 30. Juni, jeweils 18 Uhr. Karten: Theaterkasse, Telefon 0651/718-1818.

 

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