Chor und Gesang
Luxemburg. Wer zum Zehnjährigen in der Philharmonie ein exklusives Galaprogramm erwartete, wird zweifellos enttäuscht. Das Luxemburger Konzerthaus setzt zum Jubiläum andere, ebenso interessante Akzente.
Die Philharmonie kündigt ihr Zehnjähriges mit einem zehnteiligen Farbenspektrum an. Und macht zunächst einmal im Juni ganz normal weiter. Aber selbst wo das Jubiläum gar nicht ausdrücklich gefeiert wird, bleibt die Erinnerung an zehn stolze Jahre bestehen. Zum Beispiel beim Philharmonia Orchestra aus London unter Esa-Pekka Salonen (1. Juni). Da tritt mit Pierre-Laurent Aimard der erste "Artist in Residence" der Philharmonie aufs Podium und spielt mit den Londonern Ravels herrliches Konzert für die linke Hand.
Zeitgleich präsentiert das Trio Accanto Neue Musik von Johannes Schöllhorn, Rolf Riehm, Peter Ablinger und Wolfgang Rihm und erinnert damit an die "rainy days", die längst zum eisernen Bestand im Jahresprogramm geworden sind. Das Orchestre Philharmonique (OPL) hat mit seinem scheidenden Chef Emmanuel Krivine Musik von Weber, Mahler und Strauss im Notenkoffer und begleitet bei Mahlers Kindertotenliedern Bariton Matthias Goerne, auch er ein Musiker der ersten Spielzeit (5. Juni).
Und bevor das Jubiläumsfest losgeht, stellen sich OPL und der Chor des Luxemburger INECC-Instituts mit zwei Vokalsolisten auf den "Knüdler" in Luxemburgs Altstadt und geben bei freiem Eintritt Perlen des Belcanto zum Besten. (Fête de la Musique", 21. Juni, 21 Uhr).
Zudem meldet sich zur Monatsmitte der in Luxemburg seit Jahrzehnten beliebte Andras Schiff mit seiner Cappella Andrea Barca und einem Schubert-Programm (18. Juni) zurück.
Das Fest zum Zehnjährigen präsentiert sich auf den ersten Blick reichlich bescheiden. Zunächst öffnet man die Türen für die luxemburgischen Schulkinder (25. Juni, ab 11 Uhr). Tags darauf stehen mit Cathy Krier und Francesco Tristano (der übrigens in Trier entdeckt wurde) zwei Jungstars aus dem Großherzogtum auf dem Podium (26. Juni, ab 19 Uhr).
Der Sonntag gehört dem Jazz und den Luxemburgern Pascal Schumacher, Percussion/Vi braphon, und Desirée Nosbusch, Moderation (28. Juni). Die angesehene Schauspielerin moderiert auch das Abschiedskonzert von Emmanuel Krivine - im Beisein des Großherzogs und mit humorvoller Sinfonik von Dukas, Gershwin, Strauss und Blacher (3. Juli). Und natürlich darf der phonstarke Angriff aufs Trommelfell nicht fehlen. Die "End-of-season-Party" steigt am 27. Juni ab 22 Uhr und wird zweckmäßigerweiser mit einem "Tag der offenen Tür" verbunden (ab 11 Uhr).
Sicher kein spektakuläres Programm. Aber die Philharmonie realisiert, was Krivine anlässlich der Fusion mit dem OPL ausdrücklich verlangte: die echte Integration des Konzerthauses ins luxemburgische Musikleben. Da kann Philharmonie-Chef Stephan Gehmacher zweifellos ein Stück weit Vollzug melden. mö
Wenn nicht anders angegeben, beginnen die Veranstaltungen um 20 Uhr. Karten: Telefon 00352/2632 2632, www.philharmonie.lu