Chor und Gesang
Luxemburg/Trier. In Luxemburg und angrenzenden Regionen Frankreichs ist Pierre Cao als Chordirigent hoch angesehen. Am 27. und 28. März dirigiert er den Chor der Großregion mit Carl Orffs "Carmina Burana" in Luxemburg und Paris.
In der Chorszene der Großregion hat sich der Luxemburger Pierre Cao einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Dennoch umgibt ihn nicht die Aura eines Pultvirtuosen. Er strahlt Freundlichkeit aus, unkompliziert und hellwach. TV-Mitarbeiter Martin Möller hat mit ihm über die kulturelle Entwicklung in der Großregion gesprochen.
 
Herr Cao, im Kulturstadt-Jahr 2007 war die allgemeine Euphorie groß. Was ist heute noch davon übrig geblieben?
Pierre Cao: Ich hatte die Stimmung in Luxemburg nicht so deutlich erlebt - ich lebte ja vorwiegend in Frankreich. Ich glaube, 2007 war sehr wichtig. Maßgebend allerdings für Luxemburgs Musikleben war die Philharmonie, die 2005 eröffnet wurde. Seitdem spricht man nicht nur von den Banken in Luxemburg, sondern auch über die Kultur dort.

Auf deutscher Seite ist vielfach der Eindruck entstanden, dass die Entwicklung, die das Kulturstadt-Jahr anstoßen sollte, seit einiger Zeit stockt. Sehen Sie das auch so?
Cao: Wenn es heute Probleme in der Kultur gibt - und in der kulturellen Zusammenarbeit der Großregion - dann hat das mit der Politik zu tun. Vielen Politikern fehlt einfach der kulturelle Hintergrund. Etwa in Burgund. Das Ensemble Arsys Bourgogne wurde aufgelöst, weil der politische Wille zur Weiterentwicklung fehlte.

Das Europäische Institut für Chorgesang in Luxemburg, kurz INECC ist in Trier praktisch unbekannt ...
Cao: Das INECC geht auf meine Initiative zurück. Es sollte ein Institut für vier Länder werden - Frankreich, Deutschland, Belgien und Luxemburg. In Frankreich hat das gut funktioniert. In Luxemburg hatten wir anfangs nicht die richtigen Ansprechpartner. In Deutschland war das Interesse gering, und ich verstehe das auch. Denn Frankreich hatte im Bereich Chormusik ja gar kein Renommee. Durch die Arbeit des künstlerischen Direktors Camille Kerger ist die Situation jetzt anders. Es entwickeln sich die ersten Kontakte. Dazu gehört der Sinfonische Chor der Großregion, in dem auch Trierer Sängerinnen und Sänger ihren festen Platz haben.

In diesem Chor kommen unterschiedliche Chortraditionen zusammen. Wie wirkt sich das aus?
Cao: Wenn Menschen sich treffen und gemeinsam Musik machen, ist das immer eine Chance für die Kultur. Im Chor der Großregion kann jeder vom anderen profitieren. Camille Kerger und Jean-Paul Majerus haben eine sehr gute Vorarbeit geleistet, etwa Vorsingen veranstaltet. Ich glaube, der Chor wird gar nicht schlecht. Und davon abgesehen: "Carmina Burana" nur mit Luxemburger Chören wäre gar nicht möglich.

Orffs "Carmina Burana" - diese Komposition erinnert an das europäische Mittelalter mit Latein als allgemeiner Bildungssprache. Dass Sie in Luxemburg und Paris ausgerechnet dieses Werk aufführen - Zufall oder Absicht?
Cao: Absicht, ganz klar. Vor allem im Hinblick auf Paris. Im neuen Konzertsaal dort aufzutreten wird für alle ein großes Erlebnis. Dieses Stück ist bei manchen sehr beliebt, bei anderen ganz unbeliebt. Viele französische Musiker sind dagegen. Aber seine harmonische Einfachheit ist interessant und die dramatische Tonsprache auch. Und es ist einfach ein schönes Chorstück. Wir haben ein sehr großes Orchester und einen großen Chor. Das ist der Traum jedes Dirigenten. Damit wollen wir auch Überzeugungsarbeit leisten. Ein Problem bei "Carmina Burana" ist der Unterschied zwischen groß besetzten Partien und kammermusikalischen Sätzen. Das wird eine Herausforderung.

Was planen Sie für die Zukunft?
Cao: Ich habe in letzter Zeit viel Barockmusik gemacht. Orffs Stück ist ein interessanter Kontrast. Darüber hinaus würde mich das Verdi-Requiem reizen. mö
Freitag, 27. März, 19 Uhr, Philharmonie: Carl Orff, Carmina Burana. Orchestre Philharmonique du Luxembourg, Studenten des Luxemburger Konservatoriums, Pueri Cantores, Sinfonischer Chor der Großregion, Rosa Feola, Sopran, Alexander Kaimbacher, Tenor, Rodion Pogossov, Bariton. Dirigent: Pierre Cao
Extra
Pierre Cao, geboren 1937 in Dudelange, ist eine zentrale Figur der Chorszene in Luxemburg und angrenzenden Regionen (TV-Foto: Martin Möller). Cao war bis 1998 Dozent für Chorleitung am Luxemburger Konservatorium. Er ist Mitbegründer des INECC (Institut Européen du Chant Choral) und des Robert-Schuman-Chors. Mit dem 1999 gegründeten Vokalensemble Arsys Bourgogne gelangen ihm in der Luxemburger Philharmonie Oratorien-Aufführungen auf bemerkenswertem Niveau. mö