Mosel und Hunsrück

Starke Leistung: 300 Frauen und Männer bilden beim zweiten Bernkastel-Kueser Rudelsingen einen großen Chor.

Von Clemens Beckmann

Bernkastel-Kues Wer in eine Oper oder Operette geht weiß, was ihn erwartet und wer da noch so zuhört. Bei einem Rockkonzert ist es ähnlich, bei Schlager und Volksmusik auch. Beim Rudelsingen ist es anders. Da stehen, zumindest ist es in der Güterhalle in Bernkastel-Kues so, drei Generationen neben- und hintereinander: Das Spektrum reicht von Mitte 20 bis Mitte 80.

Und die sollen alle zusammen singen? Dass da musikalische Welten aufeinanderprallen, ist klar. Aber dafür gibt es ja auch 25 Lieder verschiedenster Art. Einig sind sich die 300 Sängerinnen und Sänger, etwa 130 mehr als bei der Premiere im Vorjahr, bei Gruppen wie den Beatles und Abba. Die sind allen ein Begriff.

Bei Liedern wie „Schöner fremder Mann“ von Connie Francis, „Heimweh“ von Freddy Quinn oder „König von Deutschland“ (Rio Reiser) müssen die jungen Leute passen. Da waren sie noch nicht geboren.

Manche der schon ergrauten Besucher werden zum ersten Mal mit Joshs „Cordula Grün und ihrem Fruchtkonzentrat“, „Lieder“ von Adel Tawil oder „Lass uns gehen“ von Revolverheld konfrontiert. Doch das Schöne: Fast alle singen fast alles mit.

Bei einigen Liedern, wie zum Beispiel „I want it all“ von Queen, ist das nicht leicht, weil der englische Text wenig gängig oder die Musik nicht so bekannt ist.

Zur Premiere hatten Ulric Wurschy und Volker Becker mehr Ohrwürmer mitgebracht. Das merken auch einige der Besucher an, die schon 2017 in der Halle waren. Wurschy und Becker, eines von zehn Teams, die im Bundesgebiet in Sachen Rudelsingen unterwegs sind, begleiten das Publikum, etwa 90 Prozent Frauen, instrumental. Die Liedtexte werden auf eine Leinwand projeziert.

„Die Frauen trauen sich eher aus sich herauszugehen, die Männer tun das eher im Stadion“, erläutert Ulric Wurschy. Dabei kümmt es niemanden, ob der Nebenmann oder die Nebenfrau den richtigen Ton trifft. Das Publikum ist auch schnell gut drauf. „Absoluter Wahnsinn, wie das hier los geht“, sagt Wurschy. Bei Heinos Version vom „Schneewalzer“, legen die Hauptakteure bereits zwei Tage vor Karnevalsbeginn eine Schunkelrunde hin.

Trotzdem geht nicht jeder zufrieden nach Hause. Ihr habe die Musikauswahl nicht gefallen, sagt Sandra Port aus der mittleren Generation. „Wenn ich etwas Anspruchsvolles haben will, gehe ich zu einem richtigen Konzert“, sagt sie. „Hier möchte ich nur Spaß haben.“ Das sei bei manchen Lieden und Texten nicht möglich. Kaum hat sie es gesagt, kündigen die Musiker „Gute Nacht, Freunde“ an. Reinhard Mey hat es bekannt gemacht, alle Generationen kennen es, und alle singen mit.

„Mir hat es gefallen, die Mischung war gut“, sagt Christiane Dillinger, die schon der älteren Generation angehört. Und auch bei den jungen Leute überwiegt die Freude, weil mehr für sie dabei ist als im Vorjahr. Manchmal ist auch der Text nicht zu verachten – so beim hebräischen Volkslied „Hava Nagila“. Es besteht aus wenigen Sätzen, die mehrfach wiederholt werden: „Lasst uns glücklich sein, lasst uns singen und fröhlich sein. Erwachet Brüder mit einem glücklichen Herzen.“ Wenn die Schwestern noch dazu kommen, wäre es ein Lied, dass Frau und Mann in dieser immer verrückter werdenden Welt häufig singen sollten.

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