Trier und Trier-Saarburg

Chor und Orchester der Universität überzeugen mit kirchlichen Werken bei ihrem Sommerkonzert in der Basilika St. Maximin in Trier.

Von Mechthild Schneiders

Trier Kein Ton. Kein Atmen. Kein Rascheln. Die Musiker auf der Bühne scheinen in der Bewegung gefroren. Nichts regt sich. Bis Mariano Chiacchiarini die Stille zerreißt, sich aufrichtet. Dann bricht Jubel aus. In den lauten Applaus mischen sich Bravo-Rufe.

Die Symphonie Nr. 6 „Pathétique“ von Pjotr I. Tschaikowsky beeindruckt die mehr als 700 Zuhörer in der Basilika St. Maximin. Ganz sanft verabschiedet die sich, die Instrumente immer leiser. Nur noch ein Hauch von Klang. Eine Erinnerung. Ein Tod – Tschaikowskys musikalischer Abschied. Wurde die Sinfonie doch neun Tage vor seinem Tod, am 16. Oktober 1893, unter seiner Leitung in St. Petersburg uraufgeführt. Und so erinnert der langsame Schlusssatz an ein Requiem.

Nicht nur der vierte und letzte Satz unterscheidet sich von klassischen Sinfonien und steht nicht wie üblich im schnellen „Allegro” oder „Vivace”, der zweite Satz – normaler­weise im „Adagio” oder „Andante” gespielt – klingt walzerhaft und ist im in der russischen Volksmusik üblichen 5/4-Takt gehalten. Wie vom Komponisten beabsichtigt, spielen die Musiker im ersten Satz viel Schwung und Zuversicht heraus, der zweite Satz klingt romantisch-lieblich, der dritte beschreibt die Enttäuschung, und der vierte endet im Ersterben.

Die 65 Instrumentalisten des Collegium Musicum, dem Orchester der Universität Trier, meistern dieses schwierige Werk, sicher geleitet von ihrem argentinisch-italienischen Dirigenten Mariano Chiacchiarini. Der 36-Jährige, seit 2010 Leiter von Unichor und -orchester, ist international ein gefragter Mann am Taktstock. Er ist zudem Deutscher Musikpreisträger (ehemals Echo-Musikpreis) in der Kategorie Jazz – mit dem Orchestra of the Lucerne Festival Academy, gemeinsam mit der Jazzformation Andreas Schaerer & Hildegard lernt fliegen.

Töne perlen, verbinden sich zu romantischen Weisen. Locker-leicht klingen die spielerischen Passagen, voller Energie die dramatischen. Die Einsätze sind auf den Punkt, das Spiel mit den Lautstärken gelingt – neben der Partitur die großen Schwierigkeiten in diesem Werk. Und die kurzen Soli sind gut herausgespielt. „Die ‚Pathétique‘ ist sehr schwierig“, bestätigt Chiacchiarini.

Ebenso ist Anton Bruckners „Te Deum“ eine Herausforderung für den Chor. „Die Sopranstimmen sind sehr hoch“, sagt Chiacchiarini, „da kommen die Sängerinnen an ihre Grenzen.“ Emotional und technisch seien beide Stücke sehr anspruchsvoll, ebenso das Zusammenspiel. Und das „Te Deum“ – hier sind die ersten fünf Sätze zu hören – benötige gute Solisten. Die hat der Dirigent in Silja Schindler mit ihrem überragenden Sopran, Marion Eckstein mit ihrem warmen Alt, Svetislav Stojanovic (Tenor) und Marc Kugel (Bass) gefunden. Die vier harmonieren gut mit den 110 Chorsängern, die das Fundament liefern. Mal ultraleise und leicht, dann wieder lassen die Sänger ihre Stimmen schier ohrenbetäubend laut anschwellen. So wird geistliche Musik konzertsaalfähig.

Ergänzt wird das Programm von je einem weiteren Werk Bruckners und Tschaikowskys, der Graduale   „Locus Iste“ sowie der Hymne Nr. 5 „Dostoino Est“ – beide ebenfalls christlichen Ursprungs, die sich, so professionell präsentiert, gut im Konzertsaal machen.

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