Trier und Trier-Saarburg

Der Männergesangverein Harmonie 1919 Trier-Irsch feiert sein 100-jähriges Bestehen am Samstag, 18. Mai.

Von Jan Söfjer

TRIER-IRSCH „Nein, nein, nein!“ Claudia Glesius unterbricht den Chor. Der Rhythmus in der Gruppe ist nicht einheitlich. Die Sänger setzen noch einmal an: „Bella, bella, bellllla Marie.“ Glesius stoppt das Klavierspiel: „Nein, eben nicht! Ich nehme auch die andere Version, nur einheitlich muss es sein.“ Glesius nimmt ihre Aufgabe ernst. Seit mehr als 20 Jahren ist die studierte Sängerin Chorleiterin des Männergesangvereins „Harmonie“ Trier-Irsch. Ohne sie findet keine Chorprobe statt. 15 Männer und vier Frauen sitzen in der Grundschule Irsch um Glesius heum und üben den Schlager „Capri-Fischer“. Ende der 1940er Jahre wurde er ein Welterfolg. Den Männergesangverein gab es da schon seit 20 Jahren. Am 1. Juni 1919 – der Erste Weltkrieg war seit knapp acht Monaten vorbei – wurde er für die Ortschaften Irsch und Filsch gegründet. Das „Filsch“ im Namen fiel später weg.

In einem Heft zur Fahnenweihe von 1951 schreibt der damalige Ehrenvorsitzende Peter Wollscheid: „Aus dem dem Weltkrieg 1914/18 kehrte eine große Zahl lebensbejahender Menschen nicht mehr zurück. Diejenigen aber, die dem Schicksal des Schlachtfeldes entgangen waren, fühlten sich heimatverbundener als je zuvor. Um die Kameradschaft zu fördern und den Heimat- und vaterländischen Gedanken zu pflegen, gründeten am 25. Mai 1919 sechsunddreißig sangesfrohe Männer und Jünglinge den MGV.“

Wobei im Mai die Gründung nur beschlossen wurde. Gegründet wurde der MGV zum 1. Juni 1919, wie im Gründungsbuch nachzulesen ist: „Aus dem Volk: Für das Volk: setzt sich der Verein die Aufgabe, Liebe zum Gesang und Heimat zu fördern.“ Der Verein übte jeden Sonntagnachmittag um 17 Uhr und jeden Mittwoch um 20.30 Uhr in der Wirtschaft Morgen in Filsch. Wer unentschuldigt fehlte, musste 50 Pfennig Strafe zahlen. Chorleiter Klieden erhielt eine monatliche Vergütung von zwei Mark. Die erste im Gründungsbuch erwähnte Aufführung am 2. Weihnachtsfeiertag 1919 war ein Erfolg. Der Chor sang unter anderem den „Handschellen-König“ und „Das gestörte Mittagsschläfchen“.

Die Männer unternahmen viel gemeinsam, etwa Ausflüge an den Rhein oder in das Saarland. Im Zweiten Weltkrieg musste „ein Sänger nach dem anderen die Leier mit dem Schwert vertauschen“, wie Wollscheid schreibt. Der Verein war nicht mehr aktiv. Zehn Mitglieder kamen ums Leben. Erst 1947 gab es einen Neubeginn.

Vier Ehrenmitglieder zählt der MGV heute: Ernst Roth (81) und Edmund Weyand (79) sind seit 66 Jahren dabei. Herbert Mayer (79) und Kurt Schergen (77) sind seit 64 Jahren Mitglieder. Das heißt, sie waren Teenager, als sie beitraten. Schergen kam durch seinen Vater zum Verein, Mayer durch seinen Schullehrer. „Mir würde etwas Grundsätzliches fehlen, wenn ich nicht mehr singen könnte“, sagt Mayer.

Seit zwei Jahren können auch Frauen Mitglied sein. „Männerchöre haben ein riesiges Nachwuchsproblem“, sagt Chorleiterin Glesius, aber sie findet, dass er „schon etwas besonderes ist“. 76 Mitglieder sind im Verein, 20 davon aktiv. Die jüngste ist 50, der älteste 82 Jahre. Glesius übt mit dem Chor zum einen Klassiker, aber auch „moderne Sachen aus den 20er und 30er Jahren“, etwa Stücke, wie man sie von den Comedian Harmonists kennt.

Jubiläumsfeier am 18. Mai

Der Männergesangverein Harmonie 1919 Trier-Irsch feiert sein 100-jähriges Bestehen am Samstag, 18. Mai. Um 18 Uhr gibt es eine Messe, das Fest in der Sporthalle des SV Trier-Irsch startet um 20 Uhr. Schirmherr ist Kulturdezernent Thomas Schmitt ist. Der Vorsitzende Werner Houver ist glücklich, dass die Vereine vor Ort den Männergesangverein bei dem Jubiläumsfest unterstützen, vor allem bei den Aufbauarbeiten. Dabei sind auch Gesangvereine aus Waldrach, Trierweiler, Sirzenich und Euren sowie der Kirchenchor und der Musikverein Irsch.

Info

1924 schaffte der MGV eine Vereinsfahne an, die jedoch während des Zweiten Weltkriegs verloren ging. 1951 wurde dann eine neue Fahne eingeweiht. Sie zeigt auf dunkelrotem Samt das Wahrzeichen von Irsch, die Burg, umkränzt von grünem Laub. Der Leitsatz des Vereins „In Freud und Leid zum Lied bereit“ krönt das Bild, zu dessen Füßen eine Lyra als Symbol des Gesangs in gold eingestickt ist. Die Rückseite trägt das Gründungsjahr 1919 und das Jahr der Fahnenweihe 1951. Im Mittelpunkt erscheint ein Wappen, das in seinen vier Feldern je ein Symbol des Bauernaufstandes (Pflug) und der Handwerker (Hammer und Zange) trägt. Die Fahne soll damit ein Sinnbild der Sangesfreude und der Heimatverbundenheit sein.

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