Trier und Trier-Saarburg

So viele schöne Kinderstimmen gab es noch nie in der Arena Trier: „Klasse! Wir singen“ lässt Volkslieder aus Tausenden Kehlen klingen.

Wäre doch der Regen nicht, wäre alles gut. So steht Christiane Streit am Samstagmorgen mit ihren 20 Schülern der 2. Klasse der Grundschule Welschbillig vor der Arena im Regen. So wie Hunderte weitere Kinder, Lehrer und Betreuer. Angereist sind sie mit Bussen. Die Türen zur Großraumhalle sind allerdings noch nicht offen. „Aber das ist auch das Einzige, was nicht so ganz perfekt war“, sagt Lehrerin Streit. „Ansonsten ist alles top organisiert!“ Top organisiert, anders geht es bei einer solchen Veranstaltung – die größte, die die Arena je gesehen hat – auch gar nicht: Drei Konzerte hintereinander. 7500 Kinder von der ersten bis zur siebten Klasse. 8500 Eltern und Gäste. 16 000 Besucher insgesamt also.

„Trier und die Region sind bundesweit spitze bei der Quote der Anmeldungen im Vergleich zur Zahl der Schulen“, sagt Gerd-Peter Münden. Der 53-Jährige hat „Klasse! Wir singen“ erfunden. Seit 2011 hat er rund 300 Liederfeste in ganz Deutschland organisiert. 650 000 Kinder haben in den Hallen der Republik mitgesungen, 850 000 Eltern waren dabei. Münden ist nicht bloß Initiator des Massenspektakels. Der Chorleiter sprüht vor Charisma. Und er hat eine Mission: Familien zum Singen zu bringen und das deutsche Liedgut zu erhalten (siehe Interview unten). Seine Botschaft verfängt: Rund 2500 Kinder machen in der Arena pro Konzert mit Begeisterung mit, singen lauthals von ihrer Tante aus Marokko, Amsel, Drossel, Fink und Star, ihrem Bruder Jakob und darüber, dass sie gerne ein Huhn wären, mit nicht viel zu tun.

Münden reißt die Kinder mit überschäumendem Elan mit. Die sechs- bis etwa 13-Jährigen singen nicht nur, sie klatschen, hüpfen, springen zur Musik der sechsköpfigen Liveband. 90 Minuten geht es nur um den gemeinsamen Gesang. Die Schüler und Schülerinnen tragen dabei alle weiße T-Shirts mit dem Emblem des Liederfestes darauf. Die äußerliche Uniformität entfaltet zusammen mit dem Gleichklang aus Tausenden Kehlen ein fast magisches, emotionales Gefühl der Zugehörigkeit, dem man sich kaum entziehen kann.

Die Lieder, Bewegungen und Gesten haben die Schüler zuvor im Musikunterricht eingeübt. „Alle waren mit Spaß dabei – besonders bei so Gassenhausern wie Meine Tante aus Marokko“, berichtet Lehrerin Streit. Noten und Choreographien hatte der Verein Singen, der die Liederfeste deutschlandweit veranstaltet, über seine Webseite zur Verfügung gestellt.

In der Arena singen die Kinder erstmals zusammen – mal laut und mal ganz zart. Wie bei „Der Mond ist aufgegangen“. Die Melodie von 1798, die Strophen in altertümlichem Deutsch wiegen sich sanft bis in die letzte Ecke der Arena. Dank starker Lichtanlage verwandelt sich die Großraumhalle in ein Firmament mit unendlich vielen Sternen.

Zum dritten Konzert am späten Nachmittag ist auch Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe gekommen. Sein kurzes Grußwort spricht er nach dem ersten Lied – und man merkt dem ansonsten oft sehr sachlichen Stadtchef an, dass auch ihn das Liederfest berührt: „So ein Auditorium habe ich noch nie erlebt, es ist super, es ist klasse, es ist fantastisch, ich bin mächtig stolz auf euch, danke!“, ruft er den Kindern zu.

Auch Kultusministerin Stefanie Hubig ist da. Schließlich ist es das erste „Komm! Wir singen“ in Rheinland-Pfalz. „An diesen Abend werden wir uns alle noch unser ganzes Leben lang erinnern“, sagt die Ministerin und dankt Chorleiter Münden: „Es ist toll, dass Sie und Ihr Team den Kindern und Eltern dieses Erlebnis ermöglichen.“

Zurückkommen könnte das Chor­ereignis in noch größerem Format: „Wir planen für 2021 ein europäisches Liederfest in Trier, mit Kindern aus Deutschland, Luxemburg und Frankreich“, sagt Münden. „Ich bin sicher, es ist nicht nur eine Premiere, sondern der Beginn einer Liederfest-Serie in Rheinland-Pfalz“, sekundiert Ministerin Hubig.

Die Premiere des Liederfestes war eine logistische Herausforderung für die Arena und die rund 70 Mitarbeiter des Vereins Singen, Veranstalter des Spektakels. Tausende Schüler mussten pro Konzert von ihren Bussen zu ihren Sitzen und zurück gelotst werden. Zwischen den Konzerten blieb den Helfern nur gut eine Stunde, um die Arena zu räumen und zu säubern. „Es hat aber alles reibungslos geklappt“, erklärt Arena-Chef Wolfgang Esser am Samstagabend, als das letzte Konzert vorbei ist. Schüler und Eltern strömen aus der Halle. Draußen hat es endlich aufgehört zu regnen, die Sonne scheint. Endlich das passende Wetter für dieses fröhliche, herzerwärmende Fest.

Viele Fotos und Videos sowie weitere Berichte vom Singfest gibt es auf volksfreund.de

Info: Finanzen, Preise, Auszeichnungen

Veranstalter von „Klasse! Wir singen“ ist der dafür gegründete Trägerverein Singen, dessen Vorsitzender Chorleiter und Braunschweiger Domkantor Gerd-Peter Münden ist.

Der Verein finanziert die Singfeste über die Eintrittsgelder der Eltern, Tickets für die Konzerte in der Arena Trier gab’s ab 4,80 Euro (Kinder) bis 14,80 Euro in der teuersten Kategorie. Kinder, die mitsingen, zahlen acht Euro und erhalten dafür ein T-Shirt, ein Liederheft und eine CD.

Außerdem wird der Verein von Sponsoren unterstützt. Kindern aus Familien, die Hartz IV beziehen, Flüchtlingskinder, Kinder mit besonderem Förderbedarf und Kindern mit drei oder mehr Geschwistern wird dadurch die kostenlose Teilnahme ermöglicht.

Der Verein Singen hat fünf Hauptamtliche, die sich um die Organisatin der bundesweiten Liederfeste – seit 2011 rund 300 – kümmern. In Trier war der Verein mit insgesamt 70 Helfern vor Ort.

„Klasse! Wir singen“, findet an den jeweiligen Orten im Abstand von drei Jahren jeweils mit neuem Liedprogramm statt. Neben Trier gastiert das Liederfest 2019 in Mecklenburg Vorpommern (Rostock, Schwerin, Neubrandenburg) Nordrhein-Westfalen (Dortmund, Münster, Bielefeld, Wuppertal) und Berlin.

„Klasse! Wir singen“ wurde 2016 mit dem Live Entertainment Award, einer der renommiertesten Preise der Veranstaltungsbranche, ausgezeichnet für die beste Nachwuchsförderung.

2017 erhielt das Projekt den Initiativpreis des Kulturpreises Deutsche Sprache.

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